Gernsheim. Dass man eine Jugendfreizeit auch in den Kontext internationaler Versöhnung stellen kann, zeigte im Oktober 2008 die Reise von sechzehn Jugendlichen aus den evangelischen Dekanaten Ried und Bergstraße in das ehemalige Kreisau/Polen: Ziel war es, gemeinsam mit polnischen Jugendlichen Spuren der jüngeren deutsch-polnischen Geschichte des 20. Jahrhunderts nachzuverfolgen.
Geschichte hautnah nacherleben
Der Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Gross-Rosen und eine Ausstellung zum Thema Flucht und Vertreibung in Breslau standen ganz im Zeichen der Versöhnung: So kamen die 26 deutschen und polnischen Teilnehmer gemeinsam über das Grauen der NS-Zeit und die Auswirkungen auf das Verhältnis von Polen und Deutschen ins Gespräch. Auf dem Programm stand unter anderem auch eine gemeinsame Rallye durch Kreisau. Bekannt wurde die Stadt durch den "Kreisauer Kreis", der als Widerstandsgruppe im Dritten Reich die Zeit nach einem möglichen Sturz Hitlers vorbereiten sollte.
"Die Reise war ein voller Erfolg", berichtet Jörg Lingenberg, Jugendreferent im Dekanat Ried und Organisator der deutsch-polnischen Jugendbegegnung. Vor allem sei der Zuspruch von jungen Menschen über die Grenzen des Dekanats Ried hinaus auch in Bergsträßer Gemeinden beachtlich gewesen.
Verschwisterung macht's möglich
Möglich wurde die Fahrt auch mit der Unterstützung durch die Stadt Lampertheim und den Kreis Bergstraße. Lampertheim und die Gemeinde Schweidnitz (Swidnica), zu der auch Kreisau gehört, sind seit März 2006 miteinander verschwistert. Der Kreis Bergstraße unterhält seinerseits eine Partnerschaft zum Kreis Swidnica. "Wir freuen uns, dass wir auch das Dekanat Ried in diese freundschaftlichen deutsch-polnischen Beziehungen mit einbinden konnten", resümierte Karl Hans Geil, Dekan des Dekanats Ried. Es werde zukünftig weitere Begegnungen dieser Art geben.